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Über das deutsche Kino wird heute zu Recht viel geklagt. Doch es gibt positive Ausnahmen: Mascha Schilinski hat mit „In die Sonne schauen“ einen bemerkenswerten Film geschaffen. Über einen Zeitraum von ca. 100 Jahren hinweg (1910er bis in die Gegenwart) erzählt die Regisseurin die Geschichte von vier Frauen auf einem altmärkischen Bauernhof. Das klingt erst einmal banal, doch hier steckt thematisch einiges drin: Feminismus, Depression, transgenerationale Traumata, Tod und die Frage nach historischer Authentizität im Kino.
Besonders beeindruckend ist, wie Schilinski hierfür eine Bildsprache findet. Visuelle Motive und eine nicht-chronologische Erzählweise setzen Szenen erst später in Kontext oder lassen sie bewusst offen. Geschichte erscheint hier nicht als linear erzählbar, sondern fragmentarisch – geprägt von fehlenden Quellen und unserer begrenzten Perspektive auf die Vergangenheit. Zusätzlich schafft Schilinski eine eindringliche Atmosphäre, durch die der Film stellenweise wie ein Spukfilm wirkt.
„In die Sonne schauen“ ist sicherlich kein leicht verdaulicher, sondern ein anspruchsvoller Film. Doch wer sich für einen authentischen Blick auf die Vergangenheit interessiert und glaubt, dass das deutsche Kino mehr zu bieten hat als Klamaukkomödien, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. (SiL)
| Titel: | In die Sonne schauen |
| Produktion: | Deutschland / 2025 / 148 min |
| Regisseur: | Mascha Schilinski |
| Drehbuch: | Mascha Schilinski, Louise Peter |
| Kamera: | Fabian Gamper |
| Musik: | Michael Fiedler, Eike Hosenfeld |
| Starring: | Luise Heyer, Lena Urzendowsky, Claudia Geisler-Bading |
| Trailer: | Youtube |